260 Jahre Spengergasse - Erfolg durch Innovation

Am 11.01.2018 feierte die HTBLVA Spengergasse – gegründet 1758 von Kaiserin Maria Theresia als „k.k. Commerzialzeichnungsakademie“ – in den Räumlichkeiten der WKO ihr 260-jähriges Bestehen. Dr.in Jutta Zemanek – die erste weibliche Schulleiterin und somit nach Kaiserin Maria Theresia zweite einflussreiche Frau der Spengergasse – eröffnete die Feierlichkeit, an der Festgäste wie Bundesminister Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann, Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, dem Bildungssektor sowie Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und Verwaltungspersonal der Schule teilnahmen. Nach der festlichen Begrüßung der Gäste skizzierte Dr.in Jutta Zemanek die Entstehungsgeschichte der ältesten österreichischen HTL, die seit 1922 Zentrallehranstalt und direkt dem Ministerium unterstellt ist: Seit Anbeginn zeichne sich die Schule durch eine sehr starke Anbindung an die Wirtschaft aus, damals an die in Österreich bedeutender werdende Textilindustrie, seit den 1970er Jahren zunehmend an die EDV-Branche. Damals wie heute gehe es darum, die Talente der Lernenden zur Meisterschaft zu bringen. Für die Zukunft wünscht sich Dr.in Jutta Zemanek, Innovation, Kreativität und Tradition zu verbinden und die Schule als Lebenshaus so zu gestalten, dass Kinder und Jugendliche begleitet, ihnen Werte  und Grundhaltungen sowie eine fundierte Ausbildung vermittelt und im Hinblick auf die Erwachsenenbildung die Verbindung von Familie, Beruf und Ausbildung ermöglicht werden. 

Mit den Worten Albert Schweitzers, „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen“, und dem Aufruf, Ehrfurcht vor dem Leben zu haben, beendete Dr.in Jutta Zemanek ihre Ansprache.

 

Erfolgsstory Spengergasse möge sich fortsetzen

Bundesminister Dr. Faßmann hob in seiner Rede ebenfalls die wichtige Verknüpfung zwischen dem Arbeitsmarkt und der Ausbildung an der HTL hervor und lobte ganz besonders die Anpassungsfähigkeit der Spengergasse an die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die im 21. Jahrhundert durch eine breite und moderne Palette an Ausbildungsmöglichkeiten – Biomedizin und Gesundheitstechnik, Informatik, Fachschule für Informationstechnik, Mediendesign-Animation / Mediendesign Gamedesign / Interior- und Surfacedesign, Wirschaftsingenieure/Technisches Management – ermöglicht wird und den Erfolg der Schule ausmache. Für ihn ist die HTL Spengergasse Ausdruck eines differenzierten und zukunftsorientierten Schulsystems. Sein besonderer Dank galt den engagierten Personen, die dieses Erfolgskonzept möglich machen. 

 

Die HTL – Rückgrat der österreichischen Wirtschaft 

Vizepräsident der WKO DI Dr. Richard Schenz unterstrich in seiner Ansprache den hohen Stellenwert, den die Absolventinnen und Absolventen, die  nach Abschluss der Schule schnell in Unternehmen Fuß fassen können, aufgrund ihrer Ingenieurskunst in der österreichischen Wirtschaft haben würden. Für heimische Unternehmen seien HTLs wie die Spengergasse – aufgrund der Anpassungsfähigkeit an den Markt und die hervorragend ausgebildeten Fachkräfte – zuverlässige und entscheidende Partner. Die Ausbildung zum Ingenieur/zur Ingenieurin wurde durch das Ingenieursgesetz 2017 und die damit  verbundene internationale Vergleichbarkeit aufgewertet – aus einer Standesbezeichnung wurde eine Qualifikation.  

 

Artifical Intelligence – die Zukunft  

Nach einer Dia-Show, die Einblicke in den Schulalltag und in praxisorientierte Projekte der Schülerinnen und Schüler bot, folgte die Festrede „Veränderungsprozesse durch Digitalisierung“ von Dr. Alexander Loisel, der seit 40 Jahren in der IT-Branche tätig ist. Dr. Loisel bot durch anschauliche Beispiele, ausgehend vom IBM-Computer „Deep Blue“, der 1996 den Schachweltmeister Garri Kasparow schlug, bis zu den momentan entstehenden Smart Cities, dem Einsatz von AI in der Medizin und M2M-Communication (automatisierter Austausch zwischen Endgeräten/Maschinen), einen Überblick sowie einen Ausblick auf die Entwicklung der Digitalisierung und deren Bedeutung für die Gesellschaft,  den Arbeitsmarkt und den Menschen. Gute Chancen hätten laut Dr. Loisel flexible Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zusätzlich mobil sind und ihre Fähigkeiten aufgrund einer soliden Ausbildung, wie sie die HTL Spengergasse bietet, anpassen können.   

 

HTL – Kreativität und Kompetenz 

Ein Film der Design-Abteilung, der das Arbeiten und die Projekte der Animation-, Gamedesign- und Interior-Klassen zeigte – auch die Musik wurde von Kilian Mayer, Schüler der 4AHMNA, selbst komponiert – leitete zur anschließenden Podiumsdiskussion „HTL Spengergasse – Quo vadis“ über, geführt von Presse-Redakteurin Mag.a Bernadette Bayrhammer. An der Podiumsdiskussion nahmen Sektionschef DI Dr. Christian Dorninger, Prof.in DI in Dr. in Ilse C. Gebeshuber (TU Wien), Dr. Achim Kaspar (Cisco), Univ.-Prof. DI Dr. Gerhard Liedl (TU Wien) und Tina Myerscough, BSc, MSc (Leiterin IT-Solutions Austrian Standards und Spengergasse-Absolventin) teil. Der rote Leitfaden der Diskussion hat sich entlang folgender Themen gespannt: lebenslanges Lernen, fundierte, breitgefächerte Fachausbildung, Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenzen. Denn es gehe im Beruf nicht nur um die Wiedergabe von Gelerntem, sondern auch darum, neue Zugänge zu erkennen, analytische Fähigkeiten einzusetzen sowie in einem internationalen Team kommunizieren und kooperieren zu können. Das lebenslange Lernen würde teilweise von den Unternehmen selbst, wie im Falle der Cisco Network Academy, organisiert werden. SC DI Dr. Dorninger stellt die gedeihliche und nachhaltige Entwicklung des österreichischen berufsbildenden Schulwesens, insbesondere der HTLs,  und deren Wichtigkeit für die österreichische Wirtschaft in den Vordergrund. Er bringt darüber hinaus Ideen für zukünftige Modelle des lebenslangen Lernens in die Diskussion ein.  

 

Mädchen in die Technik 

Gefragt wurde natürlich auch nach dem Schülerinnen-Anteil an HTLs – im Schuljahr 2017/18 sind 18% der Lernenden an HTLs Mädchen. Universitätsprofessorin DI in Dr. in Gebeshuber und auch Leiterin der IT-Solutions Austrian Standards Myerscough, BSc, MSc waren sich einig, dass es um die Begeisterung für die Themen und die Begeisterung für die Ausbildung gehe, die bereits den jungen Mädchen vermittelt werden müssen. Univ. Prof. DI Dr. Liedl fordert diesbezüglich zusätzlich die Veränderung der Bilder, die Stereotypen in der Gesellschaft in Bezug auf Technik und Wissenschaft repräsentieren. 

 

HTL Spengergasse – Quo vadis

Auch in der Zukunft stehen eine starke Verknüpfung zwischen schulischer Ausbildung und der Wirtschaft, die Erziehung zu kritischen Bürgerinnen und Bürgern, die Fähigkeit, Wahrheit von „Fake“ unterscheiden zu wissen, sowie das Bewusstsein für die Verantwortung des Menschen gegenüber der Ökosphäre, die Ehrfurcht vor dem Leben insgesamt, im Mittelpunkt der Ausbildung an der HTL Spengergasse. 

Beim  anschließenden inoffiziellen Teil der Veranstaltung konnten sich Vortragende und Gäste in entspanntem Rahmen mit köstlichem Buffet weiter austauschen und vernetzen und auf die kommenden erfolgreichen 260 Jahre der HTL Spengergasse anstoßen. 

 

MMag.a Waltraud Siller

 

Fotos: Selina De Carlo, 4AHMNA

Höhere technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie und Informatik, Spengergasse 20, 1050 Wien      Tel.: +43 1 546 15 - 0       Mail: manager@spengergasse.at