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RELIGION (R)

 

Der Religionsunterricht versteht sich als Dienst nicht nur an der Schule, sondern vor allem an den SchülerInnen. Er will sie alle ansprechen - wie unterschiedlich ihre religiösen Einstellungen auch sein mögen. Im Sinne einer ganzheitlichen Bildung geht er davon aus, dass der Mensch nicht nur auf Immanenz, sondern auch auf Transzendenz ausgerichtet ist. So erhalten die zu behandelnden Grundfragen nach Herkunft und Hinkunft des Menschen eine religiöse Dimension.

 

In der Mitte des Religionsunterrichts steht das Leben der SchülerInnen. Daher sind Gehalt und Gestalt des Religionsunterrichts der Glaube, wie er sich im Laufe der Geschichte entfaltet hat. Die Lebens- und Welterfahrungen sowohl der SchülerInnen als auch der LehrerInnen werden dabei aus der Perspektive der Religion gedeutet. Zugleich werden die jungen Menschen ermutigt, ihre persönlichen Lebensentscheidungen zu treffen und dementsprechend ihr Leben zu gestalten. So trägt der Religionsunterricht nicht nur wesentlich zur Sinnfindung, zur religiösen Sachkompetenz und zur Werte-Erziehung, sondern auch zur Gestaltung des Lebens in der Schule bei.

 

Der Religionsunterricht erstrebt das Ziel, dass die SchülerInnen mit sich und mit der eigenen Konfession besser vertraut werden. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Glaubensgemeinschaft soll einen Beitrag leisten zur Bildung von Identität, die angstfrei eine unvoreingenommene Öffnung gegenüber dem Anderen und den Anderen erleichtert. Das aber erfordert eine ausführliche Beschäftigung mit den Kulturen, Religionen, Weltanschauungen und Trends, die unsere pluralistische Welt - heute vielfach konkurrierend - prägen. Es geht sowohl um eine Befähigung zur Toleranz gegenüber Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen als auch um die Kompetenz zum sachlich begründeten Einspruch, falls er notwendig sein sollte. Die gesellschaftliche Bedeutung von Religion zu thematisieren, soll zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Umwelt nicht nur ermutigen, sondern auch befähigen. Damit verbunden ist die Einladung an die SchülerInnen, sich sowohl in den Gemeinschaften der Gesellschaft als auch in ihrer Berufs- und Arbeitswelt zu engagieren.

 

Der Religionsunterricht ist ein Teil des Bildungs- und Erziehungsauftrages der betreffenden Schulart. Religiöse Bildung ist unverzichtbarer Bestandteil nicht nur der Bildung, sondern auch der Ausbildung. Im Kontext des integrativen Ansatzes beider Aspekte - wie er das berufsbildende höhere Schulwesen kennzeichnet - versteht sich der Religionsunterricht mit seinen Beiträgen zu Real- und Sozialkompetenz wesentlich als vernetzender und vertiefender Teil im Bildungsgang der SchülerInnen. So bietet sich der Religionsunterricht für eine Zusammenarbeit mit anderen Unterrichtsgegenständen an, z.B. bei Projekten und Projektarbeiten:

 

Im Bereich der Allgemeinbildung ist es wichtig, unsere Kultur mit ihren religiösen Wurzeln zu verstehen. Die Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart sollen für die Deutung heutiger Such-Bewegungen fruchtbar gemacht werden. Dazu soll die Sprache der Religion, welche die Tiefendimension menschlicher Existenz erhellt, eingeübt werden.

Im Bereich der Berufsbildung erfahren die vielfältigen Qualifikationen so eine ethische Verankerung bzw. Vertiefung. Die berufsbezogenen Werte-Haltungen werden gefördert und die Aspekte nicht nur des Gemeinwohls, sondern auch des individuellen Menschseins systematisch eingebracht. So werden Selbstverständlichkeiten in Wirtschaft und Technik - auf ihre Ambivalenzen hin - reflektiert.

 

Der Lehrplan ist ein Rahmenlehrplan. Daher ermöglicht er den ReligionslehrerInnen die Veränderungen in Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Religion zu berücksichtigen sowie die einzelnen Lehrplaninhalte den schulspezifischen Zielsetzungen gemäß zu gewichten.

Seine Themenbereiche sind verbindliche Unterrichtsinhalte. Die Einzelthemen (innerhalb der Themenbereiche) sind im Hinblick auf die zugeordneten Ziele zu verstehen. Aus den Einzelthemen kann gewählt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Themenbereich so elementar wie möglich (re-)präsentiert wird.

Ja, sogar von der Jahrgangszuordnung kann abgewichen werden auf Grund von aktuellen Ereignissen, schulspezifischen Gegebenheiten, Projekten u. ä.

Blockungen. Der Unterricht kann auch in Blöcken veranstaltet werden. Der Wunsch der Abend-SchülerInnen muss jedoch klar feststehen und vom Abteilungsvorstand genehmigt werden.

 

 

1. Die Prinzipien des Religionsunterrichts

 

1.1 Die didaktischen Prinzipien

 

Diese berücksichtigen und fördern die Selbsttätigkeit

 

1. bei der geschichtlichen Dimension der Themen

2. bei dem Gender-Aspekt

3. bei der Sensibilität für ästhetische Ausdrucksformen der Kunst

4. bei dem Erfahrungsbezug

5. bei der Urteilsfähigkeit

6. bei der Wahrnehmungsfähigkeit

7. bei der Berufsbezogenheit

 

1.2 Die pädagogischen Prinzipien

 

Diese berücksichtigen und fördern

 

1. die Korrelationsdidaktik

2. das Verstehen der Symbolsprache von Bildern

3. die Ökumene

4. den interreligiösen Dialog

5. die Spiritualität

6. die religiöse Entwicklung

7. das Lernen an Hand von Lebensgeschichten der Glaubenden

8. das Lernen durch das Arbeiten mit der Bibel

9. das Lernen durch religiöse Übungen

 

2. Die Ziele des Religionsunterrichts

 

Diese sollen dazu beitragen, dass die SchülerInnen in Alltags-, Grund- und Grenzerfahrungen:

 

1. sich der Sinnfrage stellen und mit der erlösenden Verheißung im Christentum vertraut werden

2. Gott in ihrem Leben finden, sich annehmen lernen und die Sakramente als Zeichen der Nähe Gottes erfahren

ihre Sozialität unter dem Anspruch der Liebe entfalten

3. zu ethisch begründetem Urteilen, Argumentieren und Handeln aus christlichem Verständnis fähig werden

4. das Menschliche als Maß nicht nur für die Wirtschaft und Arbeitswelt, sondern auch für den Einsatz von Technik erkennen und diese Bereiche aus der Kraft eines prophetischen Christentums mitgestalten können

5. sich als Geschöpfe erfahren, den Kosmos als von Gott anvertraut sehen und für die Schöpfung Sorge tragen

6. Gott, der in Jesus Christus das Menschsein angenopmmen hat, im biblischen Offenbarungswort begegnen

7. mit der Wirkungsgeschichte des Christusereignisses in Kirche und Welt sowie mit seiner vielfältigen kulturprägenden Kraft vertraut werden und sich in unterschiedliche Formen von Spiritualität einüben

8. die wichtigsten Welt- und Lebensdeutungen der Religionen und Weltanschauungen kennen lernen und sich nicht nur respektvoll, sondern auch kritisch mit ihnen auseinander setzen